• 29.02.2008, 15:05:29
  • /
  • OTS0321 OTW0321

Nachruf - Klaus Albrecht Schröder zum Tod von Peter Kamm

Wien (OTS) - Wie wir soeben mit tiefer Betroffenheit erfahren
haben, ist am vergangenen Dienstag, dem 26. Februar 2008, der
bedeutende Kunstsammler Peter Kamm in Davos nach einem längeren
schweren Leiden verstorben. Peter Kamm war 72 Jahre alt.

Der Tod von Peter Kamm bedeutet für die Kunstwelt einen schweren
Verlust. Österreich schuldet diesem großen Schweizer in vielfacher
Hinsicht tiefsten Dank.

Peter Kamm ist am 21. März 1935 als Sohn von Fritz Kamm und dessen
Frau Editha in Zug geboren. Von seinen Eltern erbte Peter Kamm die
neben Ronald Lauders Neuer Galerie in New York größte Sammlung an
österreichischer Moderne außerhalb Österreichs. Diese Sammlung reicht
jedoch mit Hauptwerken von Franz Marc und August Macke, von Kandinsky
und Paul Klee weit über die Wiener Moderne mit den Schwerpunkten
Klimt, Schiele, Kokoschka, Gerstl und Böckl hinaus.

1952 erwarb Fritz Kamm auf Initiative von Fritz Wotruba die
wichtige Wiener Galerie Würthle. 1964 beendete Fritz Wotruba seine
Tätigkeit für die Galerie, kurz darauf zog sich auch Fritz Kamm
sukzessive von der Galerie zurück. Nach dem Tod seines Vaters 1967
übernahm Peter Kamm die Galerie Würthle von seinem Vater und
versuchte sie vorerst noch gemeinsam mit der legendären Frau Luise
und einer neuen künstlerischen Leitung, dem Kunstkritiker und
späteren Chef des Rupertinums, Otto Breicha, zu führen.

Aber nicht zuletzt veränderte Verhältnisse und wohl auch
eingeschränkte finanzielle Möglichkeiten zwangen Peter Kamm Ende der
60er-Jahre die für die Etablierung der internationalen Moderne so
wichtige Galerie in der Wiener Weihburggasse zu verkaufen.

Die kapitale Sammlung seiner Eltern - die Albertina zeigte sie
zuletzt 2004 unter dem Titel Wotruba und die Moderne - Gustav Klimt
bis Paul Klee - wurde in der Folge von Peter Kamm und seiner Frau
Christine gepflegt und weiter ausgebaut. So erwarb Peter Kamm von der
Witwe Hans Hofmanns dessen Bibliothek und den gesamten zeichnerischen
Nachlass.

Peter Kamm fühlte sich daneben auch zutiefst der zeitgenössischen
Kunst verpflichtet. Lange, ehe Roman Signer als einer der
einflussreichsten Schweizer Gegenwartskünstler erkannt wurde (im
Hamburger Bahnhof in Berlin wurde soeben eine Retrospektive gezeigt),
sammelten bereits Peter und Christine Kamm dessen aktionistisches
Werk.

Das bleibende Verdienst von Peter Kamm ist das Vermächtnis der
großen Kunstsammlung. 1998 übergaben er und seine Frau die Stiftung
Sammlung Kamm an das Kunsthaus Zug. Dadurch wurde dieses bis dahin
ein Schattendasein führende zu einem Hauptansprechpartner und
Leihgeber aller wichtigen Wien um 1900-Ausstellungen.

Die Feier des zehnjährigen Jubiläums der Domizilierung seiner
Sammlung im Kunsthaus Zug sollte Peter Kamm ebenso wenig mehr erleben
wie die Errichtung eines neuen Zubaus an das alte Museumsgebäude für
die Sammlung Kamm. Das Anliegen, den Wirtschaftsstandort Zug auch zu
einem Kulturstandort zu machen, verband Peter Kamm zutiefst mit
seiner Frau Christine und seiner Schwester Christa.

"Meine persönlichen Erinnerungen an Peter Kamm sind von seiner
großen Ernsthaftigkeit und uneingeschränkten Leidenschaft für die
Kunst geprägt. Sein Interesse an der Kunst ist immer einer
persönlichen Notwendigkeit entsprungen. Kunst war ihm nie Prestige
oder Renomée. Daher resultierte auch sein oft stilles, aber umso
nachhaltigeres Wirken als Sammler und großzügiger Mäzen." (Klaus
Albrecht Schröder)

Man wird Peter Kamm nicht gerecht, wenn man nicht auch seine Rolle
als Architekt würdigt.

Nachdem Peter Kamm in Zürich Architektur studiert hatte,
volontierte er bei Roland Rainer in Wien: eine Zeit, die ihn tief
geprägt hat. In diesen Jahren entwickelte Peter Kamm sein
philosophisch determiniertes Baukonzept, das von Beginn an
zukünftige, nicht vorhersehbare Umbauten einschließt und zu späteren
Veränderungen durch Nachnutzer geradezu ermutigt. Anstelle starrer
Wände basiert Kamms Baukonzept auf einem Stützensystem, das flexible
Anpassungen nach Widmungsänderungen kosten- und energiesparend
ermöglicht. Peter Kamm nannte dieses Bauen 4 D; die vierte Dimension
der Zeit und ihrer Veränderungen sollte bereits in den
Entwurfsprozess Eingang finden.

Den Prototyp dieses in der Schweiz heute einflussreichen Bauens
bildete sein eigenes Wohnhaus in Zug aus den frühen 70er-Jahren. Von
diesem berichtete er noch zuletzt stolz, dass nach den mehrmaligen
Besitzerwechseln keine einzige Wohnung mehr den ursprünglichen
Grundriss aufweist.

Der Höhepunkt seines architektonischen Wirkens ist zweifelsohne
die Errichtung des Universitätsspitals in Bern, wo er seine Idee der
flexiblen Gebäudestruktur erstmals an einem Großbau verwirklichen
konnte. Die kurz bevor stehende Fertigstellung dieses Spitals sollte
Peter Kamm nicht mehr erleben.

Klaus Albrecht Schröder
Direktor der Albertina

Rückfragehinweis:

Mag. Verena Dahlitz 
   Leitung Presse und Öffentlichkeitsarbeit Albertina 
   
   ALBERTINA 
   Albertinaplatz 1 
   A - 1010 Wien 
   Tel.: +43(01)534 83-510 
   Mobil: +43(0)699.121 78 720 
   Fax: +43(01)534 83-430 
   mailto:[email protected] 
   www.albertina.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | ABT

Bei Facebook teilen.
Bei X teilen.
Bei LinkedIn teilen.
Bei Xing teilen.
Bei Bluesky teilen

Stichworte

Channel